Bockenheim wird von Touristen leicht übersehen. Die Reiseführer schicken ihre Leser an den Main, zur Skyline und in die Altstadt am Römer, selten weiter nach Westen als bis zum Palmengarten. Dabei beginnt direkt an dessen Toren einer der eigenständigsten Stadtteile Frankfurts.
Bockenheim war bis 1895 eine selbständige Stadt mit eigenem Rathaus, eigener Industrie und eigenem Selbstbewusstsein. Wer den kurzen Weg vom Zentrum auf sich nimmt, findet bis heute eine Mischung aus Dorfkern, Gründerzeitstraßen, Wissenschaft und Studentenleben, die es so kein zweites Mal gibt. Dreizehn Orte, die zeigen, warum sich der Streifzug lohnt.
- 1. Bockenheimer Warte
- 2. Palmengarten
- 3. Naturmuseum Senckenberg
- 4. Kirchplatz und Sankt-Jakobs-Kirche
- 5. Leipziger Straße
- 6. Bockenheimer Depot
- 7. Campus Bockenheim der Goethe-Universität
- 8. Kurfürstenplatz
- 9. Sankt-Elisabeth-Kirche
- 10. Grempsches Haus
- 11. Rebstockpark
- 12. Von-Bernus-Park
- 13. Frauenfriedenskirche
- Ausblick: Wie sich Bockenheim für Besucher verändert
1. Bockenheimer Warte
- Adresse: Bockenheimer Warte, 60325 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei (Außenbesichtigung)
- Geeignet für: Stadtbummler, Geschichtsinteressierte
- Verkehr: U-Bahn Bockenheimer Warte (U4, U6, U7)
Der schlanke Wehrturm ist das Wahrzeichen des Stadtteils, auch wenn er streng genommen knapp jenseits der Grenze im Westend steht. Die Warte stammt aus dem 15. Jahrhundert und gehörte zum äußeren Verteidigungsring der Stadt Frankfurt. Von hier aus konnten Wachen das offene Feld und die Straße nach Bockenheim überblicken.
Berühmter als der Turm selbst ist heute der Eingang zur U-Bahn-Station davor. Der Künstler Zbigniew Peter Pininski gestaltete ihn als Straßenbahnwagen, der schräg im Boden zu versinken scheint, eine ironische Anspielung auf die Verkehrsgeschichte des Viertels. Donnerstags findet am Fuß der Warte der beliebte Wochenmarkt statt.
2. Palmengarten
- Adresse: Siesmayerstraße 61, 60323 Frankfurt am Main
- Eintritt: ca. 7 Euro, ermäßigt günstiger
- Geeignet für: Familien, Pflanzenfreunde, Spaziergänger
- Geöffnet: ganzjährig, Sommer länger als im Winter
Direkt an der nördlichen Grenze Bockenheims liegt einer der größten und ältesten botanischen Gärten Deutschlands. Der Palmengarten wurde am 16. März 1871 eröffnet, gestaltet vom Frankfurter Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer. Auf rund 19 Hektar wachsen heute etwa 9.000 Pflanzenarten unter freiem Himmel und in den teils historischen Schauhäusern.
Vom tropischen Regenwald über die Wüste bis zur Subantarktis reist man hier durch die Klimazonen der Erde, ohne den Stadtteil zu verlassen. Die großen Glashäuser, das Tropicarium und die weiten Wiesen machen den Garten zu einem Ganzjahresziel. Wer aus dem südlichen Bockenheim kommt, betritt ihn am bequemsten über den Eingang Siesmayerstraße.
3. Naturmuseum Senckenberg
- Adresse: Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main
- Eintritt: ca. 12 Euro, ermäßigt günstiger
- Geeignet für: Familien, Kinder, Technik- und Naturbegeisterte
- Verkehr: U-Bahn Bockenheimer Warte, wenige Gehminuten
Das Senckenberg ist eines der größten Naturkundemuseen Deutschlands und für viele Frankfurter die erste Kindheitserinnerung an Wissenschaft. Das heutige Gebäude an der Senckenberganlage wurde von 1904 bis 1907 errichtet und am 13. Oktober 1907 eröffnet. Vor dem Eingang begrüßen lebensgroße Nachbildungen von Tyrannosaurus rex und Diplodocus die Besucher.
Im Inneren steht Deutschlands umfangreichste Dinosauriersammlung. Das montierte Diplodocus-Skelett, ein Geschenk des American Museum of Natural History zur Eröffnung des Hauses, gehört zu den Höhepunkten. Dazu kommen Säugetiere, Vögel, Minerale und die berühmten Funde aus der Grube Messel. Wer den Stadtteil mit Kindern erkundet, sollte hier einen halben Tag einplanen.
4. Kirchplatz und Sankt-Jakobs-Kirche
- Adresse: Kirchplatz, 60487 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Stadtbummler, Architekturfreunde
- Verkehr: U-Bahn Kirchplatz (U6, U7)
Der Kirchplatz ist der historische Kern Bockenheims, das alte Dorfzentrum, das die Stadtwerdung und die Eingemeindung überdauert hat. In seiner Mitte steht die evangelische Sankt-Jakobs-Kirche. Eine Kirche an dieser Stelle wird schon im 14. Jahrhundert erwähnt, die ältesten erhaltenen Bauteile stammen aus dem 18. Jahrhundert.
1944 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört und von 1954 bis 1957 wieder aufgebaut. Die farbigen Fenster gestaltete der Künstler Charles Crodel. Rund um den Platz haben sich Cafés und kleine Läden gehalten, an Markttagen wirkt der Kirchplatz fast wie ein eigenes kleines Stadtzentrum.
5. Leipziger Straße
- Adresse: Leipziger Straße, 60487 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Bummler, Einkaufsfreunde, Genießer
- Tipp: historische Höfe und Hinterhöfe entlang der Straße
Die Leipziger Straße ist die Lebensader Bockenheims, eine der lebendigsten Einkaufsstraßen Frankfurts jenseits der Innenstadt. Früher hieß sie schlicht Frankfurter Straße, weil sie das alte Bockenheim mit der großen Nachbarstadt verband. Bis heute reiht sich hier kleinteiliger Einzelhandel an Cafés, Bäckereien und Buchläden.
Anders als viele Hauptstraßen hat die Leipziger Straße ihren historischen Charakter bewahrt. Zwischen den Gründerzeitfassaden versteckt sich die Bock-Apotheke, deren Fundamente bis 1680 zurückreichen und die als einzige denkmalgeschützte Apotheke Frankfurts gilt. Wer die Gastronomie des Viertels sucht, wird in den Cafés in Bockenheim und den Bäckereien in Bockenheim rund um die Leipziger Straße fündig.
6. Bockenheimer Depot
- Adresse: Carlo-Schmid-Platz 1, 60486 Frankfurt am Main
- Eintritt: je nach Veranstaltung
- Geeignet für: Theater-, Opern- und Tanzfreunde
- Verkehr: U-Bahn Bockenheimer Warte
Das Bockenheimer Depot wurde um 1900 als Straßenbahndepot und Hauptwerkstatt der Frankfurter Straßenbahn errichtet. Der Depotbetrieb endete 1966, danach diente die Halle noch als Werkstatt. Nach dem Brand des Opernhauses 1987 brauchte das Schauspiel Frankfurt dringend eine Spielstätte, und so wurde das Depot 1988 zum Theater umgebaut.
Der dreischiffige Bau aus gelbem Backstein mit seiner bemerkenswerten halbrunden Holzdachkonstruktion steht unter Denkmalschutz. Heute ist das Depot eine der wichtigsten Bühnen der Städtischen Bühnen Frankfurt und ein Spielort des benachbarten Künstlerhauses Mousonturm, bespielt mit Oper, zeitgenössischem Theater, Tanz und Performance.
7. Campus Bockenheim der Goethe-Universität
- Adresse: Senckenberganlage und Mertonstraße, 60325 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei (öffentlich zugängliches Gelände)
- Geeignet für: Architekturinteressierte, Studierende, Flaneure
- Verkehr: U-Bahn Bockenheimer Warte
Über Jahrzehnte war Bockenheim das akademische Herz Frankfurts. Die 1914 gegründete Johann Wolfgang Goethe-Universität hatte hier ihren zentralen Standort, und Generationen von Studenten prägten das Straßenbild. Das Wahrzeichen des Campus war lange der 116 Meter hohe AfE-Turm.
Am 2. Februar 2014 wurde der Turm gesprengt, der bis dahin höchste je per Sprengung abgerissene Hochhausbau Europas. Zehntausende Schaulustige sahen zu, wie 50.000 Tonnen Beton in sich zusammensanken. Heute wandelt sich das Gelände zum neuen Stadtquartier, an der Stelle des Turms steht der Wohn- und Hotelbau One Forty West. Wer mehr über diesen Wandel wissen will, findet ihn in der Geschichte Bockenheims nachgezeichnet.
8. Kurfürstenplatz
- Adresse: Kurfürstenplatz, 60486 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Familien, Marktbesucher
- Tipp: Wochenmarkt und gastronomischer Treffpunkt
Der Kurfürstenplatz erinnert an die Zeit, als Bockenheim noch eine eigene Stadt war. 1819 erhob Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel den Ort zur Stadt, um in der Nähe des gewerbefeindlichen Frankfurt Industrie anzusiedeln. Der Name des Platzes verweist direkt auf diese kurfürstliche Stadterhebung.
Das einst sumpfige Gelände wurde 1868 von den berühmten Gartenarchitekten Gebrüder Siesmayer trockengelegt und als Marktplatz angelegt. Eine Sichtachse führte von der katholischen Sankt-Elisabeth-Kirche über die Brunnenanlage zum Rathaus der damals noch selbständigen Stadt Bockenheim. Heute ist der baumbestandene Platz ein beliebter Treffpunkt mit Markt und Gastronomie.
9. Sankt-Elisabeth-Kirche
- Adresse: Kurfürstenstraße, 60486 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Ruhesuchende
- Verkehr: nahe Kurfürstenplatz
Die katholische Sankt-Elisabeth-Kirche ist mit ihrem neugotischen Backsteinbau eine der markantesten Kirchen des Stadtteils. Sie bildete den baulichen Schlusspunkt jener Sichtachse, die im 19. Jahrhundert über den neu angelegten Kurfürstenplatz gezogen wurde, und prägt bis heute die Silhouette des westlichen Bockenheim.
Die hohen Spitzbögen und das Maßwerk der Fenster verweisen auf das Selbstbewusstsein der jungen, eigenständigen Stadt Bockenheim, die sich mit repräsentativen Bauten gegen das große Frankfurt behaupten wollte. Ein kurzer Blick ins kühle Innere lohnt sich auf jedem Rundgang durch das Viertel.
10. Grempsches Haus
- Adresse: nahe Kirchplatz, 60487 Frankfurt am Main
- Eintritt: Außenbesichtigung
- Geeignet für: Liebhaber alter Architektur
- Tipp: auf dem Weg zwischen Kirchplatz und Leipziger Straße
Unweit des Kirchplatzes steht eines der ältesten weltlichen Gebäude Bockenheims. Das Grempsche Haus gehörte der Familie Gremp von Freudenstein und entstand als Renaissancebau in den Jahren um 1583 bis 1592. Es hat die Jahrhunderte, die Industrialisierung und die Zerstörungen des Krieges überdauert.
Zwischen den jüngeren Gründerzeit- und Nachkriegsbauten wirkt das Haus wie ein Fenster in die dörfliche Vergangenheit des Ortes. Wer vom historischen Kern am Kirchplatz hinüber zur belebten Leipziger Straße geht, kommt fast zwangsläufig daran vorbei.
11. Rebstockpark
- Adresse: Zum Rebstockbad, 60486 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei (Park), Rebstockbad separat
- Geeignet für: Familien, Sportler, Schwimmer
- Saison: ganzjährig
Im Westen Bockenheims, auf dem Gelände eines früheren Flugplatzes, liegt der Rebstockpark. Die weite Grünfläche mit Wiesen, Wegen und Spielplätzen ist das größte zusammenhängende Naherholungsgebiet des Stadtteils und ein beliebtes Ziel für Familien und Sportler.
Direkt angrenzend lockt das Rebstockbad mit Wellenbecken, Rutschen und Saunalandschaft, eines der bekanntesten Erlebnisbäder der Stadt. Wer nach dem Spaziergang noch Bewegung sucht, findet im Viertel auch zahlreiche Fitnessstudios in Bockenheim.
12. Von-Bernus-Park
- Adresse: Solmsstraße, 60486 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Naturfreunde, Spaziergänger, Ruhesuchende
- Tipp: alte und seltene Baumarten
Der Von-Bernus-Park ist eine der grünen Überraschungen Bockenheims. Auf dem Gelände stand einst ein Schlösschen der Familie von Bernus, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Geblieben ist der Park mit seinem teils exotischen Baumbestand, der bis heute auf die gartenkulturelle Vergangenheit des Ortes verweist.
Heute ist die Anlage ein stiller Stadtpark, kaum bekannt außerhalb des Viertels, gerade deshalb ein lohnender Rückzugsort. Wer das laute Treiben der Leipziger Straße hinter sich lassen will, findet hier zwischen alten Bäumen schnell Ruhe.
13. Frauenfriedenskirche
- Adresse: Zeppelinallee, 60487 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Geschichtsinteressierte
- Tipp: markanter Bau der Zwischenkriegszeit
Die katholische Frauenfriedenskirche entstand in den späten 1920er Jahren und gilt als architektonisch bemerkenswerter Sakralbau des Stadtteils. Sie wurde als Gedächtnisort errichtet, der an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert und den Frieden ins Zentrum stellt.
Mit ihrer klaren, monumentalen Formensprache steht sie für eine andere Bauepoche als die historistischen Kirchen am Kurfürstenplatz oder am Kirchplatz. Sie ergänzt das ungewöhnlich dichte Ensemble an Kirchen unterschiedlicher Stilrichtungen, das Bockenheim auf engem Raum zu bieten hat.
- Bockenheimer Wochenmarkt: donnerstags am Fuß der Bockenheimer Warte, regionaler Frischemarkt mit langer Tradition
- Botanischer Garten: direkt östlich des Palmengartens, zwischen 1907 und 1908 hierher verlegt, deutlich ruhiger als der große Nachbar
- Hinterhöfe der Leipziger Straße: historische Gewerbebauten und versteckte Höfe abseits der Schaufenster
Ausblick: Wie sich Bockenheim für Besucher verändert
Bockenheim ist im Umbruch. Mit dem Wegzug großer Teile der Goethe-Universität ins Westend entsteht auf dem alten Campusgelände rund um die Senckenberganlage und die Bockenheimer Warte ein neues, gemischtes Stadtquartier mit Wohnungen, Kultur und Gewerbe. Das Bockenheimer Depot und das Senckenberg bleiben dabei die festen kulturellen Anker.
Wer den Stadtteil besucht, sollte ihn nicht als Liste abhaken. Bockenheim erschließt sich beim Bummeln: ein Vormittag im Palmengarten, ein Mittag auf dem Kirchplatz, ein Nachmittag entlang der Leipziger Straße. Zahlen und Hintergründe zum Viertel liefern die Statistik zu Bockenheim und die Übersicht der Stadtteile rund um Bockenheim.